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Von Baraque Michel
zurück entlang der Hill
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Info
Winter-Wanderung ab Baraque Michel durch das Hohe Venn entlang der Hill (La Helle). Baraque Michel liegt auf 674 Meter Höhe mitten im herrlichen Naturpark Hautes Fagnes im Osten von Belgien. Das traditionelle Gasthaus ist damit der dritthöchste Punkt im Hohen Venn.

Ab hier startet meine Wanderung Ende 2025 an einem wunderschönen Wintertag entlang eines bekannten Trails zum Fluss Hill (franz.: La Helle) und dann entlang des Flusses bis zur Quelle zum Ausgangspunkt Baraque Michel zurück.


Kurzfassung (Short), Länge 3 Minuten

Beschreibung
Meine Wintertour beginnt auf dem Parkplatz von Baraque Michel.

Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der Zugang zum Winterabenteuer Hohes Venn.

Zunächst führt ein verschneiter und frostiger Weg an einem Fichtenwald entlang.
Dann erreicht man eine Aussichtsplattform, die voller Leute ist. Anschließend geht es auf tief verschneiten Holzstegen ins offene Moor und am Rande der See-Zone entlang in östlicher Richtung. Ich passiere einen historischen Grenzstein, der Preußen und Belgien voneinander trennt, und erreiche nach weiteren 450 Metern einen unscheinbaren Abzweig nach links, dem ich später folge.

Nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Advokat des Hohen Venns zeigte sich der Albert Bonjean (1870–1947). Er beschreibt und besang nicht nur die zauberhafte Anmut des Moorgebietes, sondern gründete 1910 auch einen Verein zur Verteidigung des Hohen Venns. Wenn du jemals das Hohe Venn besuchen solltest, dann nimm dir einen Moment Zeit, um innezuhalten und die Stille zu genießen.

Lass deinen Blick über die weite Moorlandschaft schweifen und spüre die Magie dieses Ortes. Vielleicht, nur vielleicht, wirst du die flüsternden Stimmen der Vergangenheit hören und die Anwesenheit derer spüren, die vor dir hier waren. Es ist heute kaum mehr vorstellbar, dass das Venn einst ein Weideland war.

Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden im Vennvorland Kühe gehalten. Auch das Venn-Heu wurde dort geerntet.

Noch stärker prägten jedoch die Schafe das Bild der Venn-Dörfer, und das beinahe das ganze 19. Jahrhundert hindurch, als es noch Ödflächen gab. Gegen 8 Uhr morgens ertönte vom Dorfplatz aus der Pfiff des Dorfhirten, woraufhin aus den geöffneten Stellen meckernde Schafe hervorsprangen.

Am Scheitplatz wurde mit anderen Schafen eine Herde gebildet, die der Schäfer mit seinem Hund ins Venn hinausbegleitete. Auf dem Rückweg musste der Dorfhirte die Herde eng beisammenhalten, damit kein Schaf auf Abwege geriet. Bis 1870 waren Wölfe eine Gefahr für Schafsherden.

Wenn die Schafe sich nicht von den Weiden trennen wollten, war dies für den Dorfhirten ein Zeichen für schlechtes Wetter am nächsten Tag. Zogen sie hingegen gelassen nach Hause, sollte das Wetter weiterhin schön bleiben. Wetterkundigkeit und natürliches Heilwissen zeichneten den Dorfhirten aus.

Als die Aufforstung des Venns begann, wurde den Schafen und Schäfern endgültig der Boden entzogen. Im Hintergrund ist das Kanonendonnern vom Truppenübungsplatz Elsenborn zu hören, auch Lager Elsenborn genannt. Das militärisch genutzte Gelände der belgischen Armee befindet sich hinter der Anhöhe. Anscheinend finden dort derzeit Übungen statt.

Die Bewaldung der Ödflächen im Hohen Venn wurde von den Gemeinden zunächst begrüßt. Doch nach und nach wurde der Wegfall der Weide- und Streunutzung zu einem Problem. Die Aufforstung stieß daher auf Widerstand.

Ab 1862 konnte sie in Gemeinden wie Elsenborn, Sourbrodt oder Ovifat nur mehr durch Zwangsmaßnahmen vorangebracht werden. Die Pro- und Kontradiskussion war voll im Gange.

Nach dem Geizbusch durchwandere ich das Waldstück Petit Bongard und gelange dann an das Ufer der Hill.

Dann folge ich dem langen Bachlauf bergauf wieder zum Hohen Venn. Dieser Wegabschnitt ist recht lang. Es folgt ein Wegabschnitt, der parallel zur Hill verläuft. Er ist urig und wildromantisch, allerdings ist er stellenweise auch morastig, felsig und mit Wurzelwerk bedeckt, sodass das Wandern ab jetzt etwas mühseliger wird. Nach ein paar Kilometern komme ich an der Brücke Anne-Marie-Liebert vorbei.

Hier verlässt uns ein Pfad nach links, aber ich wandere geradeaus weiter, streckenweise über Stege, bis zum Gasthaus Baraque Michel. Diese Wanderung unterhalb des Hohen Venns entlang der Hill bietet fantastische Wirklichkeits-Kontraste. Die rauen, weiten Moorlandschaften stehen im Kontrast zur wilden, urwüchsigen Schlucht des Bachlaufs der Hill.

Bei dieser anstrengenden Wanderung bewegen wir uns auf Pfaden durch zwei völlig unterschiedliche Ökosysteme, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen. Wir starten in der kargen Stille der Hochfläche und tauchen dann in die enge, urwüchsige Schlucht der Hill, eines der wildesten Flüsse der Ardennen, ein. Die Hill entspringt hier im Hohen Venn quasi unter unseren Füßen.

Der erste Abschnitt führt mich direkt ins Herz des Hohen Venns, dem größten Hochmoorgebiet in Belgien und Deutschland. Die Landschaft ist atemberaubend weitläufig. Der Horizont ist tief und wird nur von vereinzelten, windschiefen Birken und Kiefern unterbrochen.

Um die empfindliche Vegetation zu schützen, folge ich den verschneiten Holzstegen und Wildpfaden. Unter uns liegt das Torfmoos, ein gigantischer Schwamm, der Jahrtausende gebraucht hat, um zu wachsen. Es herrscht eine tiefe Stille, die oft vom Zischen des Windes und dem Donnerhall von Kanonen aus dem nahegelegenen Truppenübungsplatz der Belgier unterbrochen wird.

Besonders im Spätherbst, wenn die Heide in rostigem Rot leuchtet, wirkt das Moor mystisch und einzigartig. Das aus dem Moor sickernde Wasser ist durch die Huminsäuren dunkel, fast schwarzbraun gefärbt. Nach etwa der Hälfte der Strecke ändert sich der Charakter des Weges plötzlich.

Ich verlasse die offene Hochebene und beginne einen sanften, aber stetigen Abstieg in den tiefer gelegenen Buchen- und Tannenwald. Die Wege werden schmaler und die befestigten Stege weichen wurzelreichen, feuchten Waldpfaden. Hier ist Trittsicherheit gefragt, denn das feuchte Klima des Fens lässt die Pfade oft rutschig werden.

Die Stille der Weite weicht dem Rauschen. Das monotone Geräusch des Windes wird durch das immer lauter werdende Gurgeln und Murmeln von fließendem Wasser ersetzt. Ich wandere entlang der Quellen der Hill.

Das Tal der Hill ist eine urwüchsige Wildnis. Sobald ich den Talgrund erreiche, stehe ich direkt am Ufer des Baches, der auf Französisch „La Helle” heißt. Der Bachlauf ist hier kein sanfter Gebirgsfluss, sondern ein wilder, naturbelassener Wasserlauf, der sich tief in den Boden eingegraben hat.

Der schmale Pfad schlängelt sich direkt am Ufer entlang. Überall ragen große, moosbewachsene Steine und Felsblöcke aus dem Wasser. Der Bach selbst ist von einer dicken Decke aus Farnen, Moosen und alten Bäumen umgeben, die ein dichtes, grünes Blätterdach bilden.

Die Hill ist ein Wildbach. Er bildet kleine Kaskaden und Stromschnellen, springt über Felsrippen und sammelt sich in dunklen Gumpen, bevor er weiterrauscht. Hier kann man die Kraft des Wassers spüren, das unaufhörlich die Landschaft formt.

Dieser Teil der Wanderung fühlt sich an wie ein Tauchgang in einen Märchenwald. Die feuchte Luft riecht nach Erde und kühlem Wasser. Man wandert entlang eines historischen Grenzflusses, der heute ein reines Naturerlebnis bietet.

Der letzte Abschnitt führt mich wieder aus dem schattigen Tal hinaus. Oft muss ich noch einen letzten knackigen Anstieg über Waldwege bewältigen, um die Höhe der Plateaus wieder zu erreichen. Oben angekommen, bietet sich oft ein letzter Blick über die weiten Wälder und die Mur.

Man spürt, wie einzigartig dieser Ort ist, an dem die raue, offene Moorlandschaft nahtlos in die geschützten, wilden Flusstäler übergeht. Die Wanderung durch das Hohe Venn im winterlichen Gewand war ein beeindruckendes Erlebnis und ein unvergesslicher Höhepunkt. Die Kombination aus der großartigen Landschaft des Hochmoors und der klaren, kalten Luft schuf eine ganz besondere Atmosphäre der Ruhe und Weite.

Die überzuckerten Gräser und das vereiste, geheimnisvolle Moor, das von einer dichten Stille umhüllt war, vermittelten ein Gefühl der Abgeschiedenheit und Ursprünglichkeit. Jeder Schritt auf den Bohlenwegen und Stegen war ein bewusstes Eintauchen in dieses einzigartige Ökosystem. Trotz der Kälte und der oft sehr glatten Passagen war die Anstrengung die Belohnung wert.

Es gab Panoramablicke über die weite, weiße Ebene, die in der Sonne glitzerte. Das Hohe Venn hat einmal mehr seine Rolle als fantastischer Rückzugsort für die Seele unter Beweis gestellt. Diese Winterwanderung ist nicht nur eine sportliche Betätigung, sondern auch eine meditative Erfahrung, die ich jedem Naturliebhaber wärmstens empfehlen kann.



Langfassung (Original)), Länge 32 Minuten

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